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Der Zeitraum, in dem die Felsbildkunst des Latmos entstanden ist, lässt sich zunächst durch die Thematik ihrer Darstellungen, ihren Stil und die Ornamentik innerhalb der vorbronzezeitlichen Kulturentwicklung Anatoliens näher eingrenzen. In der Beschränkung auf ein bestimmtes Thema, den Menschen in seinen sozialen Bindungen, die vor allem in den Paardarstellungen und Familienszenen zum Ausdruck kommen, wird der Gesellschaftswandel fassbar, der sich mit der Sesshaftwerdung des Menschen vollzogen hat. Gleichzeitig damit erfolgte ein Stilwandel von einer naturalistischen zu einer schematisch-abstrahierenden Darstellungsweise. Mit der Welt der Jäger und Sammler haben die latmischen Felsbilder nichts mehr zu tun. Eine genauere zeitliche Einordnung ergibt sich aus der Vorliebe für eine bestimmte Ornamentik, insbesondere der Webmuster, die ihre Entsprechungen in der spätneolithisch-chalkolithischen Keramik von Hacılar im südwestanatolischen Seengebiet finden. Die aus den Besiedlungsschichten der Höhlen und Abris stammenden Keramikfunde, die einem einheitlichen chalkolithischen Zeithorizont angehören und damit die durch stilistische Einordnung der Felsmalereien gewonnene Datierung ergänzen, bestätigen die Entstehungszeit der latmischen Felskunst im 6. und in der ersten Hälfte des 5. Jahrtausends v. Chr.